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Dem Duft lauschen – Kulturgeschichte des Räucherwerks in Japan 11. Juli 2018, 19:00 Uhr

Dr. Chantal Weber, Köln 19 Uhr, Familienbildungsstätte Bonn, Lennéstraße 5, 53113 Bonn

Der Tee-Weg (sadô), im Westen als japanische Tee-Zeremonie bekannt, ist eine wohlbekannte Kunstform, die über Japan hinaus praktiziert wird. Weniger populär ist der Duft-Weg (kôdô), der sich fast zeitgleich mit dem Tee-Weg in Japan entwickelt hat, aber auf eine längere Vorgeschichte blicken kann. Das Räucherwerk wurde mit dem Buddhismus im 6.Jahrhundert nach Japan eingeführt und diente der Huldigung und der Kommunikation mit dem Göttlichen. Doch schon bald erfreute sich der Hochadel am Räucherwerk, zur Beduftung von Räumen und Kleidern; damit wurde auch die eigene Individualität des Trägers ausgedrückt. Es entwickelten sich regelrechte Wettbewerbe bei der Kreation von Düften. Diese Duftwettbewerbe (takimonoawase) standen in der Tradition der monoawase (Vergleichen von Dingen), dessen berühmteste Form das utaawase (Gedichtwettstreit) ist.

Im Laufe der Kamakura-Zeit (1185-1333) trat das Beräuchern von Kleidern und Räumen in den Hintergrund und der Genuss von jinkô (wörtl.: sinkendes Holz) als einzige Zutat gelangte in den Fokus.

In der Muromachi-Zeit (1336-1573) erfolgte die Katalogisierung von jinkô-Stücken und ihre Benennung mit teilweise sehr sprechenden oder poetischen Namen. Daraus entwickelten sich dann eigene Spiele, deren Kunst darin bestand, die Hölzer zu vergleichen und ihre Namen zu erraten.

Etwas später, in der Sengoku-Zeit (1467-1568), entwickelte sich das kôawase, bei den qualitativ wertvollen Hölzern von mehreren Teilnehmern verglichen und genossen wurden. Hier wurde die Tradition des takimonoawase bzw. monoawase wieder aufgegriffen. Dies ist nun die Entstehungszeit des Duft-Weges, kôdô, bei dem das Vergleichen der Düfte und die Literatur in eine Kunstform zusammengebracht werden.

Der Vortrag wird neben der Geschichte des Räucherwerks auch verschiedene Beispiele vorbringen, wie sich der Duft-Weg und das Räucherwerk in anderen kulturellen Praktiken wie der Malerei, der Spielekultur oder in Form von Duftuhren manifestiert hat.

Dr. Chantal Weber
Japanologin, Universität zu Köln, 1997-2003 Studium der Japanologie, Klassischen Archäologie und Kunstgeschichte an der Universität zu Köln. 2003-2005 Mitarbeiterin im Rechenzentrum der Universität Freiburg (Bereich Neue Medien). 2005-2006 Forschungsstipendium (Japan Foundation) an der Daitô Bunka Daigaku, Tôkyô. 2006-2008 Asienbeauftragte und Beauftragte für Konzepte der Betreuung internationaler Studierender, International Office der Universität Freiburg. Seit 2008 wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Japanologie der Universität zu Köln. 2011 Promotion an der Philosophischen Fakultät, Universität zu Köln. Thema: Kulturhistorische Netzwerkanalyse am Beispiel des Tee-Meisters Kanamori Sôwa. 2012-14 Japan-Stipendium (JSPS) an der Kansai University, Ôsaka. Seit 2015 Vorstandsmitglied der Deutschen Gesellschaft der JSPS-Stipendiaten e.V., Schriftführung

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