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Eindrücke von der Sanriku Küste – Viereinhalb Jahre nach dem Tsunami 28. Oktober 2015, 19:00 Uhr

Haus der Geschichte | Willy-Brandt-Allee 14, 53113 Bonn

Vortrag von Gesa Neuert

             

Bürgermeister Futoshi Toba (Rikuzentakata) stoppt            Miracle Pine
die
Transportbänder (am 15. September 2015)

 

„Der Glaube versetzt Berge“ – das ist die Hoffnung, die in der Bibel den Gläubigen in schweren Zeiten gegeben wird – an der Sanriku Küste im Nord Osten Japans werden im wahrsten Sinne des Wortes Berge versetzt. In Rikuzentakata transportieren gigantische Förderbänder das Erdreich auf die Ebene, um dort das Erdniveau auf 12 m anzuheben. Am 15. September 2015 stoppte der Bürgermeister Toba die Anlage.

Viereinhalb Jahre nach dem großen Erdbeben und der Tsunamikatastrophe leben immer noch knapp 200.000 Menschen in Containern bzw. in vorübergehenden Unterkünften. Sollten diese Unterkünfte zunächst nur für 2 Jahre dienen, sieht es jetzt so aus, dass die meisten Menschen in den Präfekturen Iwate und Miyagi (ca. 60.000) noch für bis zu fünf weitere Jahre in sehr beengten Verhältnissen, teilweise durchfeuchtet und verschimmelt, ausharren müssen.

So wie in Rikuzentakata wird auch in 12 weiteren Städten das Erdniveau angehoben. Es wird noch einige Jahre dauern, bis dort gebaut werden kann. In den Ebenen entstehen aber nur Einkaufszentren, Fischereibetriebe und Gedenkparks. Wohnsiedlungen werden auf dem neu angelegten Bauland geplant, dort, wo die Berge abgetragen wurden. Die Orte: Arbeitsplatz und Wohnung sind auf diese Weise separiert, die Bewohner müssen auf diese Weise zweimal bezahlen, z.B. Miete für die Wohnung und Miete für den Laden. Da meist ältere, ehemalige Geschäftsinhaber betroffen sind, haben sie Angst vor der Zukunft: wie sollen sie das alles bezahlen? Junge Familien oder Studenten verlassen die Gegend, da sie nicht noch weitere Jahre im Container leben wollen.

Zusätzlich beginnt an vielen Orten der Bau der ca. 400 km langen Betonmauer, die an der Küste in einer Höhe von 7 bis 15 m geplant ist. Die Bevölkerung protestiert vermehrt dagegen, da die Kosten immens sind und der Schutz im Falle eines erneuten Tsunami eher zweifelhaft ist. Sie fordern stattdessen den Bau von mehr Fluchtwegen.

Trotzdem verlieren die Menschen nicht den Mut. Sie schöpfen Kraft aus alten Volksriten. Schon kurz nach dem Unglück, Anfang Mai 2011 wurden entlang der Sanriku Küste die traditionellen Matsuri gefeiert, Tiger-, Hirsch- und Kaguratänze aber auch Jazz- und klassische Konzerte wurden aufgeführt. Begegnungszentren wurden gebaut, wo man sich zum Teetrinken und Basteln traf. Jung und Alt leben gemeinsam in der Hoffnung auf eine naturverbundene Zukunft.

Beim Vortrag erhalten Sie Einblicke über den Stand des Wiederaufbaus entlang der Sanriku Küste, erfahren etwas über persönliche Schicksale und können sich so ein Bild machen über die Lehren, die aus solch einer Katastrophe gezogen werden.


Gesa Neuert
sammelte nach dem Studium der Biologie und Chemie an der Universität Bielefeld während eines Forschungsaufenthalts an der Tokyo Universität 1984 ihre ersten Japan-Erfahrungen. Diese konnte sie beim Studium der Interkulturellen Japankompetenz an der Universität Tübingen und an der Doshisha Universität in Kyoto vertiefen. Seit 1993 arbeitet sie ehrenamtlich in der DJG-Bielefeld und im VDJG. 2006 hat sie die Deutsch Japanische Jugendgesellschaft (DJJG e.V.) und 2012 das Deutsch Japanische Synergie-Forum Sanriku Fukkou e.V. gegründet. Seit der Katastrophe hat sie jedes Jahr mehrfach die Sanriku-Küste mit Wissenschaftlern und Studenten besucht.

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