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Die Jenseitsvorstellungen der Japaner 22. November 2017, 19:00 Uhr

Dia-Vortrag von Dr. Ulrich Pauly im Haus der Geschichte, Willy-Brandt-Allee 14, Bonn

Grabfunde aus der Jōmon-Zeit (11.000-500 v. Chr.) weisen darauf hin, dass die Japaner wohl schon damals an die Existenz von Seelen und an ein Weiterleben nach dem Tod geglaubt haben. Bis heute ist der Glaube weit verbreitet, dass sich die Seele nach dem Tod vom Leib trennt. Sie hält sich dann aber noch eine Weile in der Nähe des Leichnams auf und macht sich erst nach dem Abschluss der Bestattungs- und Trauerrituale auf den Weg ins Jenseits. Von dort aus besucht sie aber regelmäßig (meist am Ahnenfest Bon) ihre Nachkommen. Die älteste und bis heute noch lebendige Jenseitsvorstellung lokalisiert das Jenseits in den Bergen. Warum das so ist, wird ausführlich im Vortrag erklärt. Ebenfalls sehr alt, aber weniger verbreitet als der Glaube an das Totenland in den Bergen, ist die vor allem in Südjapan bekannte Vorstellung von einem Jenseits im Meer. Auch von dort kommen die Totenseelen jedes Jahr zu ihren Nachkommen zu Besuch. Neben diesen Jenseitsvorstellungen des Volkes hat der Kaiserhof spätestens ab dem 8. Jh. aus politischen Gründen ein dreischichtiges Universum propagiert. Demnach leben die himmlischen Gottheiten im Hohen Himmelsgefilde. Die Menschen und niederen Gottheiten leben auf der Erde im Mittelland der Schilfgefilde und die Verstorbenen im Totenreich „Land der Finsternis“. In dieses Totenreich gelangt jeder Verstorbene, unabhängig davon was für ein Leben er geführt hat! In den Reichschroniken und Legenden tauchen aber noch weitere jenseitige Länder auf, wie das Land des immerwährenden Lebens, der Palast des Meereskönigs, der von Urashima Taro aber auch von Howori, einem Vorfahr des ersten japanischen Kaisers besucht wurde. Schließlich kennt man in Okinawa noch ein Paradies Nirai Kanai und aus China gelangte die taoistische Vorstellung von der Insel Hōrai, wo die Unsterblichen leben, nach Japan. In diese vier jenseitigen Länder/Paradiese sind auch lebende Menschen gereist und von dort gesund wieder zurückgekehrt.

Mit dem Buddhismus gelangten die Lehre vom Kreislauf der Wiedergeburten sowie seine Paradies- und Höllenvorstellungen nach Japan. Das hatte zur Folge, dass von nun an jeder, der ethisch gut und gläubig gelebt hatte, nach dem Tod in eines der Paradiese gelangte. Nur die Sünder mussten für eine Weile (nicht auf ewig) in den Abteilungen der Hölle leben. Von den verschiedenen Paradiesen sind bis heute vor allem das Reine Land des Buddhas Amida sowie das Reine Land des Bodhisattva Kannon noch populär. Die Höllenvorstellungen spielen, außer als Kinderschreck, in Japan heute fast keine Rolle mehr.

In diesem rund 80-minütigen Dia-Vortrag werden die Seelenvorstellungen und das damit zusammenhängende Brauchtum geschildert. Auch die Qualen der buddhistischen Hölle (die vorbuddhistischen Japaner kannten keine derartige Foltereinrichtung) vor allem aber die in den Paradiesen auf die Gläubigen wartenden Freuden werden kurz geschildert. Damit keiner nachts an Albträumen leidet, endet der Vortrag mit einer Beschreibung der Wonnen des Reinen Landes des Buddha Amida.

Dr. phil. Ulrich Pauly (geb. 1948); Studium der Japanologie, Vergleichenden Religionswissenschaft, Völkerkunde und Europäischen Volkskunde sowie Geschichte des Buddhismus in Bonn, Wien und Kyôto. Von 1987–2000 Wissenschaftlicher Referent der OAG Tôkyô. Seitdem freier Lektor in Bonn. Veröffentlichungen zur Religion, Geschichte und Volkskultur Asiens, insbesondere Japans.

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