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Die japanische Katze 16. Juni 2015, 19:00 Uhr

Haus der Geschichte | Willy-Brandt-Allee 14, 53113 Bonn

Diavortrag von Dr. Ulrich Pauly

Die beiden Wildkatzenarten Japans sind spätestens vor 30.000 (Tsushima Wildkatze) bzw.20.000 Jahren (Iriomote Wildkatze) über eine Landbrücke mit trockenen Pfoten nach Japangelangt. Die japanische Hauskatze hingegen ist frühestens 500 v. Chr. zusammen mit der Nassreisbaukultur per Schiff eingereist. Die japanische Stummelschwanzkatze kam erst im18. Jh. in Mode. Als exotisches und wertvolles Haustier wurden aus China importierte Katzen zunächst nur in Tempeln, in Adelsresidenzen und am Kaiserhof gehalten. Eine Katze wurde um 1000 sogar zur Hofdame ernannt. Zu den Aufgaben der Katze gehörte neben dem Mausen aber von Anfang auch das Schmusen mit Herrchen und Frauchen. Selbst als Ersatzfür einen geliebten unerreichbaren Menschen musste sie herhalten. Ihr Raubtiergang, ihre beim geringsten Fackellicht nachts leuchtenden Augen und ihre oft tagelange Abwesenheitvom Haus sowie ihr Herumschleichen im Bergwald und auf Friedhöfen führten dazu, dass man sie als Bote aus dem Jenseits und als Bote der Berggottheit ansah. Das führte im Mittelalter dazu, dass man der Katze dämonische Eigenschaften zuschrieb und glaubte, dass sich Katzen im Alter bisweilen sogar in eine menschenfressende Dämonenkatze verwandeln können.

Als Tempelkatzen waren sie aber weiterhin ebenso geschätzt wie als mausendes Nutztier,das die Vorratsspeicher von Bauern und Kaufleuten mäusefrei hielt. In manchen Dörfern, wo Seidenraupen gezüchtet wurden, hat man die Katze sogar als Schutzgottheit verehrt. In einigen buddhistischen Tempeln wird sie auch als Erscheinungsform eines Buddha oder Bodhisattva verehrt. Die Seeleute schätzten die Katze als Bio-Kompass, als Wettervorhersage und als Schutz vor den Rachegeistern Ertrunkener. Auch die Obrigkeitschätzte die Katze als Nutztier und versuchte gegen den Aberglauben der Dämonenkatzen anzugehen. Erste Tierschutzgesetze wurden vom Shogun Tsunayoshi schon 1685-1687 erlassen. Einige Tempel boten seit dieser Zeit auch buddhistische Bestattungen von Katzenan. Im 17. Jh. sollen auch die Ursprünge der Figuren der „winkenden Katze“ (maneki neko) liegen. Weshalb diese Figuren bis 1957 in „anständigen“ Haushalten nicht zu finden waren, wird erst im Vortrag verraten. Aus dem 18. Jh. stammen die ersten Darstellungen in Ukiyoe-Farbholzschnitten der damals in Mode gekommenen Stummelschwanzkatze. Seit dem 17.Jh. tauchen Katzen auch in vielen Sprichwörtern auf und die Haiku-Dichter nehmen sich fasziniert und mit Humor und Mitgefühl vor allem das unüberhörbare Liebesleben der Katzen vor.

Der 90minütige Diavortrag endet mit zwei Buchempfehlungen (Literatur), mit dem Hinweis auf zwei Manga-Serien, deren Held ein Kater ist, und der Beschreibung einer auch für Katzenhaar-Allergiker zu empfehlenden stubenreinen japanischen Katze sowie eines Meowlinguals mit dessen Hilfe Sie die Bedeutung jedes Miau leicht verstehen.

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